JTG


Compassion: „Schau hin und du weißt“
Sozialpraktikum im Rahmen des Projektseminars zur Berufs- und Studienorientierung

„Compassion, was soll das denn eigentlich heißen?“ – So fragten auch die 16 Schülerinnen und Schüler, die sich zu Beginn des Schuljahres 2009/10, am Anfang der Qualifikationsphase des achtjährigen Gymnasiums, zum Projektseminar „Soziales Lernen“ unter der Leitung von StRin Andrea Silbernagl (Sport) und OStR Markus Sabinsky (Kath. Religionslehre) zusammengefunden hatten. Dass es „irgendwie“ um den Aufbau von sozialen Kompetenzen, die Übernahme von Verantwortung in und für die Gesellschaft und das Interesse für die Lebensumstände gehandicapter Menschen gehen sollte, war den meisten schon vor der Kurswahl klar gewesen. Doch was genau sich hinter diesem Fremdwort verbirgt, bedurfte noch einer genauen Erläuterung.
Der bekannte zeitgenössische Theologe Johann Baptist Metz bezeichnet „Compassion“ als Schlüsselwort für die Verantwortung des Christen im Zeitalter der Globalisierung und des weltanschaulichen Pluralismus. Er meint damit eine an der Lebenspraxis Jesu orientierte Grundhaltung, die gerade von jungen Menschen erlebt und erlernt werden müsse: „Jesu erster Blick galt nicht der Sünde der Anderen, sondern dem Leid der Anderen.“ In diesem Sinne meint ‚Com-Passion’ gelebte ‚Mit-Leidenschaft’ – nicht als vages Mitgefühl, in Passivität verharrendes Mitleid oder gar Wehleidigkeit, sondern vielmehr als teilnehmende, verpflichtende Wahrnehmung fremden Leids und der Sorgen, Nöte und Probleme der Mitmenschen. Kurz: Die Einladung zu einem Perspektivenwechsel über den eigenen „Tellerrand“ hinaus.
In diesem Zusammenhang hatten die beiden Seminarleiter die Idee, die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler über ein Praktikum mit sozialen Berufsfeldern vertraut zu machen, mit denen sie sonst eher selten in Berührung kommen. Sie sollten Verständnis gewinnen für ältere Menschen, für Behinderte sowie für Menschen in Not und an den Randbereichen unserer Gesellschaft. So haben sie fünf Tage in verschiedenen sozialen Einrichtungen Straubings bzw. der näheren Umgebung (Kindergärten und –tagesstätten, Senioren- und Pflegeheime, Einrichtungen für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, Klinikum etc.) verbracht und sind dort – wo immer möglich – auch aktiv in der Begleitung des Personals oder eigenständig tätig geworden.
Vielleicht, so hoffen wir, können gerade diese Erfahrungen Veränderungen in der inneren Einstellung der jungen Menschen bewirken und sie selbst zu aktivem sozialem Engagement und gelebter Mitmenschlichkeit – „Compassion“ – motivieren. Im Gegenzug sind wir uns sicher, dass auch die Menschen in den sozialen Einrichtungen vom Kontakt und der Begegnung mit unseren Jugendlichen profitieren konnten.

Die begeisterten und teilweise recht nachdenklichen Erfahrungsberichte unserer Schülerinnen und Schüler gewähren einen kleinen Einblick in das spannende „Experiment“ Sozialpraktikum am JTG: Besonders beeindruckend für die Gymnasiasten, die die Möglichkeit erhielten selbstständig mit den Patienten, Kindern und Senioren zu arbeiten und Zeit zu verbringen, waren zum Beispiel die vielfältigen Anforderungen, die die sozialen Berufsfelder an die in den Institutionen beschäftigten Menschen stellen. Für einen Beruf in Pflegeheimen benötigt man zum Beispiel nicht nur Verständnis für die schwachen und zum großen Teil bettlägerigen Personen, sondern auch die Kraft jeden Tag mit Krankheit und auch Tod konfrontiert zu werden. In einem Kindergarten wiederum werden vor allem Spontaneität, Einfühlungsvermögen und Toleranz verlangt.
Von der Offenheit der Menschen mit Handicap ebenso wie von der Umgänglichkeit und Zuneigung der Kinder sowie von der Freundlichkeit und Lebensfreude der älteren Leute waren alle Praktikanten positiv überrascht. Für die Schüler war es faszinierend zu sehen, wie auch ältere oder behinderte Menschen ihren Alltag meistern können und wie dankbar sie für die geleistete Hilfe waren.
So war das Praktikum für alle Teilnehmer des P-Seminars eine interessante Woche mit vielen bewegenden und zum Teil sicher nachhaltig prägenden Erlebnissen, die die „verlorene“ Schulwoche mit ihrem theoretischen Lernstoff bei Weitem aufwogen. Die Schüler haben am eigenen Leib erfahren, wie anspruchsvoll, aber auch wie wichtig soziale Berufe sind. Denn manche Menschen sind auf Hilfe angewiesen, doch sie wissen das auch zu schätzen, zeigen ihre Dankbarkeit und geben vieles zurück. – Dabei ist die schönste Belohnung immer noch ein Lächeln.

Da die Rückmeldung – sowohl von Seiten der Teilnehmer/-innen als auch von den Vertretern der sozialen Einrichtungen – so einhellig positiv war, haben wir uns dazu entschlossen, auch im kommenden Schuljahr 2010/11 die Möglichkeit einer sozialen Praktikumswoche, verbunden mit einem zweistündigen Wahlkurs „Compassion/Soziales Lernen“, diesmal bereits für die 10. Klassen, anzubieten. Wir freuen uns bereits über zahlreiche begeisterte Anmeldungen und möchten uns bei unseren Kooperations-Partnern ganz herzlich für das uns entgegen gebrachte Vertrauen bedanken!  

StRin Andrea Silbernagl, Unterstufenbetreuerin
OStR Markus Sabinsky, Oberstufenkoordinator




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