Wollschweine statt Vokabeln
Einmal den Lateinunterricht im Klassenzimmer gegen eine Entdeckungstour ins römische Bayern eintauschen: Darauf hatten sich die über 100 Sechstklässler des Johannes-Turmair-Gymnasiums schon seit Wochen gefreut, ist doch „ihr“ alljährlicher „Dies Latinus“ eine inzwischen zur Tradition gewordenen Veranstaltung. So wurden auch dieses Jahr zwei hochinteressante Ziele angesteuert: das Kelten-Römer-Museum in Manching bei Ingolstadt und die Villa rustica in Möckenlohe im Landkreis Eichstätt.

Im hervorragend ausgestatteten Museum durften die Kinder zunächst bei einer spannenden Führung auf den Spuren des aus Syrien stammenden Auxiliarsoldaten Flavus wandeln, der in ein raetisches Römerlager einberufen wird. Teile seiner rekonstruierten Rüstung wurden ebenso inspiziert wie Überreste seiner Nahrung und natürlich auch das Kastell mit seinen einzelnen Gebäuden. Großen Eindruck machten außerdem die Relikte zweier 15 Meter langer römischer Patrouilleboote – ein originalgetreuer Nachbau durfte sogar „gestürmt“ und als Fotokulisse genutzt werden. In der Museumswerkstatt konnten die Schülerinnen und Schüler dann praktisch anwenden, was sie im Lateinunterricht gelernt hatten: Es galt nämlich, eine ganz persönliche Münze in römischem Stil zu prägen – mit Selbstporträt, Name und Geburtsdatum, selbstverständlich in römischen Zahlen ausgedrückt.

Mit diesem Souvenir in der Tasche ging es zur Villa rustica, einem auf originalen Fundamenten nachgebauten römischen Landgut. Hier wurden unter anderem Keller, Küche und ein schon zu Römerzeiten mit Fußbodenheizung versehener Empfangsraum besichtigt.

Die Funktionstüchtigkeit einer römischen Getreidemühle erprobte man mit vereinten Kräften. Eine besondere Attraktion stellte natürlich der Haustierpark dar: Original zurückgezüchtete Tierarten wie Wollschweine, bestimmte Pferde- oder Rinderrassen durften gestreichelt und gefüttert werden. Durch den in der Scheune untergestellten Streitwagen animiert oder um ein wenig Spannung in die ländliche Idylle zu bringen, wurde als krönender Abschluss ein dreiminütiger Schaukampf veranstaltet: Jeweils fünf Schülerinnen und Schüler jeder Klasse lieferten sich, angefeuert durch die Klassenkameraden, ein kurzweiliges und effektvolles Gefecht, dessen Sieger durch die Schaulustigen per Zuruf ermittelt wurde. Mit einer Fülle begeisternder Eindrücke und Informationen im Gepäck trat man schließlich die Heimfahrt an und war sich einig: Einen solchen „Römischen Tag“ müsste es öfter geben!



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