Politik im Klassenzimmer
„Politik ist langweilig!“ Das ist die wohl häufigste Antwort Jugendlicher auf die Frage, wieso sie sich so wenig oder gar nicht für die politischen Vorgänge Deutschlands interessieren. Diese Aussage können wir, die Schüler der Klasse 10e des Johannes – Turmair – Gymnasiums, nicht bestätigen. Angeregt von unserer Sozialkundelehrerin Luise Kammermeier beschlossen wir im Winter 2009 verschiedenen Politikern unseres Landes Emails zu schreiben, in denen wir Verbesserungsvorschläge und persönliche Wünsche äußerten und um eine Antwort baten. Tatsächlich schrieben mehr als die Hälfte zurück. Einige erklärten sich sogar bereit, unsere Klasse in der Schule zu besuchen: Nach den Landtagsabgeordneten Reinhold Perlak (SPD) und Josef Zellmeier CSU) besuchte MdB Ernst Hinsken die Klasse am 28. April. Sofort wurde klar, dass Herr Hinsken überhaupt nicht dem Klischee des trockenen und hochnäsigen Politikers entspricht. Er begrüßte uns freundlich und offen und begann sofort, uns einige der zur Zeit relevanten Themen und Probleme der Bundes- und Weltpolitik darzulegen. Dazu gehörten unter Anderem die wirtschaftliche Situation, die Klimakatastrophe und die Finanzkrise in Griechenland, bei deren Besprechung er betonte, er hoffe das Land könne sich größtenteils selbst wieder aufbauen. Schon bald fiel auf, dass der Politiker mit unglaublich vielen Zahlen und Fakten aufwarten konnte: So sagte er uns etwa voraus, dass wir nach unserer Lebenserwartung gut 100 Jahre alt werden können. Nach seinem kleinen Vortrag stellte sich Herr Hinsken unseren Fragen. Das Thema Mindestwahlalter bei Jugendlichen wurde erwähnt, und der Politiker erklärte, er sei gegen den Vorschlag, Jugendliche schon ab sechzehn wählen zu lassen, da viele noch nicht reif dafür seien. Als der Punkt Afghanistan angesprochen wurde erklärte Herr Hinsken die Notwendigkeit dieses Krieges, um das Vorrücken der Taliban und deren Erstarken zu verhindern. Am ausführlichsten jedoch behandelte er das Thema des geplanten Solarparks in Feldkirchen. Er machte deutlich, dass er, obwohl sonst ein Befürworter der Solarenergie, ein derartiges Vorhaben kritisiere, da der Park eine zu große Fläche Land einnehme: nämlich die von 38 Fußballfeldern! Bevor der Besuch zu Ende ging, regte er eine politisch weiterbildende Klassenfahrt nach Berlin an, was natürlich für Begeisterung sorgte. Man sieht also : Politik ist überhaupt nicht langweilig, sondern kann spannend und interessant sein, besonders wenn man sie hautnah erlebt. Würden mehr Jugendliche diese Erfahrung machen, müssten wir uns vermutlich über die Wahlbeteiligung der nächsten Jahre keine Sorgen mehr machen. Cristina Starke, 10e
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