Forschen wie die Großen
Schülerinnen des Johannes-Turmair-Gymnasiums nehmen am Science Day der Universität Regensburg teil
Von Inken Rebentrost
 Die Schülerinnen mit dem Prototypen ihrer Entwicklung (v.l.n.r.: Rebecca Kunze, Astrid Gmeinwieser, Laura Schwarz)
Not macht erfinderisch – dieses altbekannte Sprichwort brachte Rebecca, Laura und Astrid dazu, sich einige Wochen lang als Forscherinnen zu betätigen. Die drei Schülerinnen des Johannes-Turmair-Gymnasiums hatten sich beim Science Day der Universität Regensburg beworben, um einen tragbaren Spind zu entwickeln. „Es gibt in unserer Schule keine Möglichkeit, persönliche Gegenstände wie Bücher, Sportsachen oder Fahrradhelme aufzubewahren“, erläutert die elfjährige Rebecca das Problem. „Für abschließbare Schränke ist einfach kein Platz. Da haben wir uns gedacht, es müsste einen Spind geben, der sich zusammenklappen und wegräumen lässt, wenn man ihn gerade nicht braucht.“
Mit dieser Idee bewarben sie sich beim Science Day und stießen dort auf großes Interesse. Das Projekt, welches sich speziell an Schülerinnen und Schüler der 6. Jahrgangsstufe richtet, bot ihnen die Möglichkeit, völlig eigenständig zu forschen. Initiiert wurde der Science Day von den Didaktikinstituten der Universität sowie der Hochschulfrauenbeauftragten. „Im Mittelpunkt steht die Kreativität der Kinder“, erklärt Dr. Christine Fischer von der Biologiedidaktik das Konzept. „Sie erhalten die Möglichkeit, ihre Ideen umzusetzen und den Verlauf der Forschungs- und Entwicklungsarbeit selbstständig zu gestalten.“ Rebecca und ihre Freundinnen fertigten zunächst eine Skizze ihres Spinds an und kamen damit an die Universität. Dort wurden sie von zwei Lehramtsstudenten, Stefan und Andreas, betreut. Es ging nun darum, sich über die Größe und die Materialien des tragbaren Spinds Gedanken zu machen, sowie über verschiedene Möglichkeiten, den Spind im Schulhaus so zu befestigen, dass er nicht geklaut werden kann. „Am schwierigsten war es, einen reißfesten, nicht schneidbaren, aber doch möglichst leichten Stoff zu besorgen“, berichtet Stefan. „Schließlich haben wir ihn bei einer Firma in Hamburg bestellt, die sich u.a. auf die Ausstattung von Gefängniszellen spezialisiert hat.“ Gerade auch dieser organisatorische Aufwand zeigte den Schülerinnen, dass Forschung und Entwicklung ein Prozess ist, der zudem von finanziellen Mitteln abhängig ist. Insgesamt drei Nachmittage kamen die Straubingerinnen an die Universität, um Schritt für Schritt ihren Prototyp zu basteln. Immer wieder mussten sie ihre Pläne umstrukturieren und alternative Lösungswege finden. „Mich hat besonders beeindruckt, mit welchem Elan sich die Jugendlichen mit schwierigen, naturwissenschaftlichen Sachverhalten auseinandergesetzt haben“, so Stefan. „Sie stellten sehr viele Fragen und hatten sichtlich Spaß daran, sich intensiv mit einem Thema beschäftigen zu können.“
Schließlich war es soweit: Am vergangenen Samstag fand der Science Day an der Universität Regensburg statt, bei dem insgesamt 21 Teenager aus acht verschiedenen Schulen ihre Projekte vorstellten. Wie bei einer echten Tagung präsentierten die Teilnehmer der Öffentlichkeit ihre Forschungsarbeiten in einem Vortrag und standen allen Interessierten anschließend Rede und Antwort. Mit beeindruckender Souveränität referierten sie über Bionik, die Zahl Unendlich, Blitze oder Rauchbälle. „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg“, freut sich Ulrike Richter, Organisatorin des Science Day. „Wir hoffen sehr, das Projekt im nächsten Jahr fortführen zu können.“ Auch für Rebecca, Laura und Astrid endete ihr Abstecher in die Forschung mit einer erfreulichen Nachricht: Sie erhielten die erste offizielle Bestellung für ihren Spind!
Zwei Skizzen für den tragbaren Spind:

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