Interview mit Herrn Englberger
Das Kultusministerium hat StD Erich Englberger, von 1997 – Juli 2004 Kollegstufenbetreuer, dann Mitarbeiter in der Schulleitung, seit Februar 2005 als ständigen Stellvertreter bestellt.
OStRin Luise Kammermeier hat ihm zu diesem Neubeginn einige Fragen gestellt:
Warum haben Sie sich um das Amt des Stellvertretenden Schulleiters beworben?
Der Entschluss zur Bewerbung war sehr kurzfristig. Aber als ein Mensch, der sich gerne organisatorisch betätigt, der auch in den letzten Jahren neben der reinen Stoffvermittlung und Bildung von Herz und Charakter der Schüler schon immer versucht hat, zur Gestaltung des schulischen Lebens beizutragen, bin ich in diese neue Aufgabe praktisch hineingewachsen.
Ein wichtiges Argument für die Bewerbung war auch, dass mir unsere Schule sehr am Herzen liegt und ich es als eine reizvolle Aufgabe ansehe, zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen, für unsere Schüler einen Ort „Schule“ zu gestalten, wo alle gerne hingehen.
Dazu habe ich als Stellvertretender Schulleiter vielfältigere Möglichkeiten.Da gerade unser Kollegium sich in einem Verjüngungsprozess befindet, ergibt sich immer wieder die Chance, die jungen Kolleginnen und Kollegen in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Unser Kollegium ist sehr motiviert, das zeigen die vielen Aktivitäten im schulischen Alltag.
Welche Ziele stecken Sie sich für die nächste Zeit?
Gemeinsam mit meinen Kollegen möchte ich dazu beitragen, dass unsere Schule, der ich schon seit Februar 1980 angehöre, die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler als „ordentliche Menschen“ ins Leben entlässt. Gerade als Religionslehrer ist es mir immer wichtig, Werte wie Ehrfurcht vor Gott, Hilfsbereitschaft oder Verantwortungsbewusstsein und auch Wertmaßstäbe zu vermitteln und darauf einzuwirken, dass im Schulalltag diese erlebbar sind. Das gelingt nicht von heute auf morgen, aber im Zusammenwirken von Elternhaus und Schule tun sich oft ungeahnte Möglichkeiten auf. Die jungen Menschen heute brauchen Vorbilder, die ihnen vorleben, was man von ihnen fordert. Das im Kollegium zu vermitteln, sehe ich als Teilziel.
Woran erinnern Sie sich, wenn sie die jüngere Schulgeschichte Revue passieren lassen?
Das JTG hat in der Zeit, in der ich hier die Fächer Deutsch und kath. Religionslehre unterrichte, Höhen und Tiefen erlebt.
Wenige damalige Kolleginnen und Kollegen haben 1982 den Umzug vom Stadtgraben zum Peterswöhrd als Positivum gesehen. Die zurückgehenden Schülerzahlen sollten ihnen anfangs Recht geben.
Die beabsichtigte und von verantwortlicher Seite forcierte Zusammenlegung mit dem Ludwigsgymnasium im Jahre 1992 stellte für mich – damals war ich auch Personalrat – einen Wendepunkt dar. Wir alle – Eltern, Schüler und Lehrer – kämpften und siegten. Seitdem fühle ich mich als Teil einer Schulfamilie, die zu jeder Zeit zusammenhält.
Natürlich erinnere ich mich ganz besonders an die Aktion „Wir helfen Tschernobyl-Kindern“ in den Jahren 1992 – 1997. Die gesamte Schulfamilie hat mitgeholfen, dass sechs Hilfstransporte gefahren werden konnten und im Sommer 1994 etwa 30 pflegebedürftige Kinder aus Kiew Straubing besuchen konnten.
Stellen Sie sich vor, Sie haben nun drei Wünsche frei. Welche sind das?
Für die gemeinsame Zeit mit allen Schulangehörigen wünsche ich mir zum einen eine humane Schule, in der der Schüler als Mensch im Vordergrund steht. Leistung ist das Ziel, aber Menschlichkeit ist der Weg dorthin. Als Lehrer und Erzieher ist man in sehr hohem Maße verantwortlich für diesen Weg zur Leistungsbereitschaft und Leistung.
Als Zweites erhoffe ich mir Teamgeist, der Kooperationswille, Fairness und Kollegialität einschließt.
Mein letzter Wunsch ist Offenheit. Man muss offen sein für Wünsche und Ideen, aber auch offen bleiben bei Meinungsverschiedenheiten und bei Kritik.
Man kann das Ganze auch anders formulieren:
Ich stehe für eine Schule, die Schüler ohne Angst betreten und mit Freude verlassen,
für eine Schule, in der Eltern die wöchentlichen Sprechstunden gerne besuchen, weil sie ihre Kinder gut aufgenommen wissen und die Lehrer um Rat fragen können,
für eine Schule, in der Kolleginnen und Kollegen die Schüler motivieren, sie fordern und fördern und doch die Erziehungsarbeit nicht vergessen.
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Herrn Englberger alles Gute für seine verantwortungsvolle Aufgabe.