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Turmair-Schüler mussten "Stärke beweisen"

 

Eine junge Schülerin steht alleine an einer Bushaltestelle, als sich ihr ein fremder Mann nähert. Zunächst freundlich, dann immer zudringlicher versucht er, die Distanz zwischen ihm und dem Mädchen zu verringern. „Stopp!“ Entschlossen blockt die Gymnasiastin die Annäherung ab und schaut dem Mann grimmig in die Augen. „Bis hier her und nicht weiter!“ Diese Szene war zum Glück nur gespielt. Wie es aber sein kann, wenn man sich gegen Erwachsene behaupten muss, konnten Schülerinnen und Schüler des Johannes-Turmair-Gymnasiums im Projekt „Stärke beweisen!“ die letzten Wochen hautnah erfahren.

Es gehört zum Profil des Johannes-Turmair-Gymnasium, dass sich die Schülerinnen und Schüler im Laufe ihres Schullebens altersgerecht mit Fragen wie Suchtbekämpfung, Vermeiden von Mobbing und Stärkung des Selbstbewusstseins auseinandersetzen müssen. So findet in nahezu jeder Jahrgangsstufe ein eigens zu diesen Themenbereichen konzipiertes Projekt statt. In der siebten Jahrgangsstufe treffen sich daher die Schüler in der Turnhalle des Gymnasiums, um zusammen mit ihrem Lehrer Herrn StR Pöschl einmal auszuprobieren, wie es ist, wenn sich ein Jugendlicher bei einem Angriff eines Erwachsenen selbstbewusst behaupten muss. Zunächst lernen die Schüler ihr Gegenüber auf Abstand zu halten. „Auch ein Erwachsener hat nicht das Recht euch zu nahe zu kommen und muss eine gewissen Individualdistanz einhalten", erklärt ihnen Herr Pöschl, der unter anderem das Wahlfach Judo am Turmair unterrichtet. „Zeigt ihm also, dass er gerade eine Grenze überschreitet, und dass ihr das nicht wollt!" Die Schüler teilen sich in Zweiergruppen auf und probieren, zunächst noch mit viel Gelächter - aber schließlich mit immer größerem Ernst - die gezeigten Techniken in die Tat umzusetzen. Auch das Lösen eines Griffs oder das Wehren gegen eine Umklammerung wird in der Gruppe geübt. Dabei verkommt das Projekt nie zu einer Unterrichtsstunde für Nahkampf¬techniken. Vielmehr soll den Kindern bewusst werden, wie man schon vor einem Angriff auf sein Bauchgefühl hört. So lassen sich mögliche Bedrohungen schnell erkennen und meistens vermeiden. Dies wird den Schülern auch klar, als sie beginnen exemplarisch verschiedene Szenarien aus dem Alltag durchzuspielen: Man wartet alleine an einer Bushaltestelle, geht ohne Begleitung abends heim, oder soll jemandem anderen in Not zur Hilfe eilen. Gerade beim letzten Punkt beginnen die Jugendlichen oft zu zweifeln: „Wie kann man denn anderen helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?" lautet eine der häufig gestellten Fragen. Im Gespräch und anschließenden Rollenspiel wird den Turmair-Schülern schließlich klar, dass es oft schon ausreicht, Erwachsene anzusprechen, oder auch im richtigen Moment die Polizei zu verständigen, um Zivilcourage zu zeigen. Am Ende des Projekttags sind die Jugendlichen zum einen erstaunt, dass man sich auch als Schüler der Unterstufe gegen Erwachsene wehren kann; zum anderen wurden sie durch das Projekt aber auch für die Gefahren, die im Alltag lauern, sensibilisiert. Es hat ihnen gezeigt, dass man hinschauen und handeln muss, wenn Unrecht geschieht und es bewies ihnen, dass sie auch in ihrem Alter selbstbewusst „Stärke beweisen" können.