Ein kurzer Blick aufs Handy, ausgelassene Stimmung auf der Heimfahrt nach einer Party – das Ablenkungspotenzial während einer Autofahrt ist groß. Und genauso schnell, wie der vermeintlich harmlose Blick geschieht, kann ein Unfall passieren. Besonders schlimm, oft traumatisch, wird es dann, wenn andere Menschen mit hineingezogen werden. Viele dieser Unfälle wären vermeidbar. Um Jugendlichen die Gefahren im Straßenverkehr sowie die möglichen Folgen eines schweren Unfalls bewusst zu machen, wurde das Präventionsprogramm P.A.R.T.Y. ins Leben gerufen.
Auch in diesem Schuljahr nahmen wieder 31 Schülerinnen und Schüler der elften Klassen des Johannes-Turmair-Gymnasiums an diesem gewinnbringenden Projekt am Klinikum St. Elisabeth teil.
Zu Beginn erarbeiteten sie dabei zunächst gemeinsam mit Oberarzt Dr. Markus Vogt die Ursachen vermeidbarer Unfälle – von fehlender Aufmerksamkeit oder Erfahrung bis hin zur eigenen Über- und Fehleinschätzung von Situationen. Verantwortung zu übernehmen, so Vogt, sei hier entscheidend: nicht nur als Fahrerin oder Fahrer, sondern auch als mögliche Beifahrerin oder möglicher Beifahrer. Dazu gehöre auch, „Nein“ zu sagen, wenn der Zustand der fahrenden Person eine sichere Beförderung nicht zulässt.
Welche strafrechtlichen Konsequenzen Fehlverhalten am Steuer nach sich zieht und wie viele Personen in einen Unfall tatsächlich involviert sind, veranschaulicht im Anschluss Polizistin Juliane Zwickenpflug den Jugendlichen anhand zahlreicher Fälle aus ihrem Berufsalltag. Durchschnittlich seien 113 Menschen direkt oder indirekt von einem Unfall betroffen – neben Verursachenden und Opfern auch Polizei, medizinisches Personal sowie die Familien aller Beteiligten. Wie Dr. Vogt appelliert auch sie an die Verantwortung jedes Einzelnen, selbst dann, wenn man nicht unmittelbar am Unfallgeschehen beteiligt ist. Schon das schnelle Bilden einer Rettungsgasse sei ein wichtiger Beitrag dazu.
Nach diesem theoretischen Einstieg erkunden die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen verschiedene Stationen des Krankenhauses und erleben auf sehr nachvollziehbare Weise den Weg, den ein Unfallopfer im schlimmsten Fall durchlaufen muss. Am Unfallort gehe für die Rettungskräfte alles nach einem strikt geregelten Schema vor sich, erklärt ein Sanitäter, bevor er den Jugendlichen das Innere eines Rettungswagens zeigt. Schnelles und gezieltes Handeln sei essenziell, denn nur innerhalb der sogenannten „golden hour“ habe der Patient die größtmögliche Überlebenschance.
Deutlich ruhiger geht es anschließend im sogenannten Schockraum zu. Dort werden Patienten nach der ABCDE-Methode systematisch auf ihre lebenswichtigen Funktionen überprüft. Der zuständige Arzt erklärte das Vorgehen eindringlich, während er selbst schon wieder angepiept wird. „Ein Notfall“, so der Arzt völlig entspannt, „Kommt in fünf Minuten.“ Er zwinkert: „Kein Problem, bis dahin sind wir fertig.“ Während die Schüler den Raum verlassen, wird bereits alles für den Patienten vorbereitet.
Wie vielfältig das Spektrum möglicher Verletzungen ist, zeigt im Anschluss eine Krankenpflegerin auf der Normalstation. Sie stellt verschiedene Fälle vor und untermalt diese mit eindrucksvollen Originalaufnahmen. Während dort reger Betrieb herrscht, empfängt die Gruppe auf der Intensivstation eine fast ehrfürchtige Stille. Hier, so der zuständige Anästhesiearzt, liegen durchschnittlich zwanzig Patientinnen und Patienten, die intensive Pflege benötigten, oft nicht einmal selbstständig atmen könnten. Sichtlich beeindruckt stellen die Jugendlichen zahlreiche Fragen: Wie wird ein Intensivpatient gewaschen? Wie wird er ernährt? Wie fühlt sich ein künstliches Koma für den Patienten eigentlich an?
Nach diesen Eindrücken erhalten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, auf unterhaltsame Weise selbst in die „Haut“ eines Unfallopfers zu schlüpfen. Unter dem Motto „Dress like Trauma“ lernen sie physiotherapeutische Hilfsmittel wie Schienen und Orthesen kennen und kommen dabei sichtlich ins Überlegen: „Wie zieht man das an?“ oder „Wie soll ich mich damit bewegen?“
Im abschließenden Nachmittagsprogramm wird es dann noch einmal sehr persönlich: Eine junge Frau berichtet offen von ihrem Leben nach einem schweren Unfall vor zehn Jahren. Die heute 32-Jährige leidet selbst nach so langer Zeit noch unter den Folgen und sieht sich sowohl beruflich als auch privat mit erheblichen Einschränkungen konfrontiert.
Zum Abschluss zieht Dr. Vogt gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ein Resümee des Tages und verweist nochmals auf das Motto der Kampagne: „Don’t risk your fun.“ Denn nur wer seine eigenen Grenzen kennt und eben nichts „riskiert“, kann die Ursachen vermeiden, die zu schweren Unfällen führen.
StRin Myriam Wankerl, Beauftragte für Suchtprävention



