Jugendliche Musikkritiker im Theater am Hagen

Als Programmpunkt im Lehrplan Musik der 11. Klasse findet sich das Thema „Musik explorativ“ – das heißt, die Lernenden sollen sich auf vielfältige Weise mit Musik auseinandersetzen, also Kompositionen und ihre Wirkung nicht nur passiv rezipieren, sondern beurteilen, ja, sogar schriftlich bewerten.

So fanden sich auch in diesem Jahr die Schüler der 11. Klasse an einem Dienstagabend im Theater am Hagen ein, um die Oper „Cosi fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart anzuhören – und, um in der nächsten Musikstunde eine Rezension darüber zu verfassen. Die Musiklehrkraft gab Tipps, wie man beim Schreiben einer Rezension vorgehen soll/kann, aber sie ermunterte die Lernenden, ihre Eindrücke möglichst authentisch wiederzugeben – Kritik ja, aber bitte begründet!

Die Texte, die im Unterricht entstanden, waren durchaus beachtlich und zeugten von wirklich kritischer Auseinandersetzung mit dem Sujet. Im Anhang ein Querschnitt durch die Ergebnisse dieser Versuchsanordnung.

Susanne Schlögl, OStRin

 

Highlights aus verschiedenen Rezensionen der 11. Klasse

Die Oper „Cosi fan tutte“ – „So machen es alle (Frauen)“ wurde 1790 am 26.1. im Burgtheater in Wien uraufgeführt. Mozarts dritte Zusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte ist insgesamt in zwei Akte gegliedert und setzt sich mit Liebe, Treue und Moral auseinander.
Am 13.1.26 besuchte eine Gruppe Elftklässler des JTG das Theater am Hagen, wo die Oper vom Ensemble des Landestheaters Niederbayern unter der Leitung von Basil Coleman aufgeführt wurde.
„Cosi fan tutte“ handelt von zwei verliebten Paaren, deren Liebe durch eine Wette auf die Probe gestellt wird. Don Alfonso, ein Freund der Offiziere Ferrando und Guglielmo, der Liebhaber von Dorabella und Fiordiligi, behauptet nämlich, dass keine Frau, auch nicht die Verlobten der beiden, treu ist. Da die Liebhaber vom Gegenteil überzeugt sind, wetten sie: Ferrando und Guglielmo geben vor, sie müssten an die Front, bleiben allerdings in Verkleidung da, wobei sie sich an die Verlobte des jeweils anderen heranmachen. Despina, die Zofe, und Don Alfonso wollen ebenfalls Dorabella und Fiordiligi dazu bewegen, ihren früheren Männern den Rücken zu kehren. Schließlich werden die beiden Angebeteten überzeugt, was ihre eigentlichen Liebhaber zutiefst verletzt. Zum Schluss offenbaren sie, dass alles nur ein Schauspiel war, aber der Ausgang des Experiments bleibt ungewiss.
Wie würde die Geschichte aber in der Moderne im Setting einer Love Show aussehen? Diese Frage stellte sich Herr Ultz, der die Oper unter dem Motto „Love School“ neu interpretierte.
Vor allem das Bühnenbild, das eine moderne Wohnung darstellte, und die Kostüme wurden entsprechend angepasst. So erinnerten insbesondere die Jogging-Anzüge von Dorabella und Fiordiligi und die Perücken von Ferrando und Guglielmo an die Kleidungs- bzw. Frisurenstile, die man häufig in diversen Promi-Shows zu Gesicht bekommt. Die teure Kleidung von Don Alfonso unterstreicht außerdem wunderbar seinen Charakter, da er ja eher etwas über den Konsequenzen steht und einfach nur die von ihm inszenierte „Komödie“ genießt.
Die aktuellen Kostümierungen und das Verwenden von  moderner Alltagssprache bei den Untertiteln gelangen gut, da hier, was die große Schwierigkeit ist, trotz der Transformierung in die Moderne der Charme des klassischen Werks von Mozart erhalten blieb.
Die Darstellung der Figuren empfand ich als gelungen.
Was die Sangesleistung betrifft, stachen Reinhild Buchmayer als Dorabella und die kurzfristig eingesprungene Jehun Cecilia Lee besonders hervor, wobei bei letzterer auch die beinahe makellose schauspielerische Leistung zu betonen ist dafür, dass sie sehr spontan (Krankheitsvertretung) in die Rolle schlüpfen musste. Sie erfüllte mit ihrer kräftigen Stimme den ganzen Raum. Insgesamt war aber die Intonation aller sehr souverän. Schauspielerisch muss ich vor allem Sabine Noack als Despina loben, da sie immer knapp vor der Grenze der Übertriebenheit stand, diese aber meiner Meinung nach nie überschritt, wodurch sie sehr ausdrucksstark den humorvollen Charakter der Oper unterstützte.
Zur Instrumentalbegleitung lässt sich sagen, dass diese immer im Einklang mit den Sängern war und mir persönlich keinerlei Fehler auffielen.
Insgesamt empfehle ich die Aufführung vor allem denjenigen, die an einer humorvollen Gesellschaftskritik interessiert sind, die gleichzeitig diverse Promi-Shows parodiert.
Zudem ist „Cosi fan tutte“ vom Inhalt leicht verständlich und repräsentiert Gefühle und Gedanken, in die man sich leicht hineinversetzen kann und auch oft im Alltag teilt. Also keine Scheu, auch wenn Sie sonst nichts mit Musik am Hut haben, bei dieser Oper erwartet jeden gute Unterhaltung, vom Laien bis zum Kenner.