Am 4. Februar und 11. Februar durften unsere 9. Klassen an einem eindrucksvollen Workshop zur Suchtprävention teilnehmen. Zu Gast war der Verein 1zu1, vertreten durch den Referenten Anton Emerdinger sowie einem ehemals Drogenabhängigen, der offen von seinem persönlichen Lebensweg berichtete.

Zu Beginn stellte Herr Emerdinger die Arbeit des Vereins vor. 1zu1 unterstützt ehemals Abhängige umfassend auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben – sei es bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen oder bei der Vermittlung eines Arbeitsplatzes. Dabei wird deutlich: Sucht ist keine Randerscheinung, sondern betrifft Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen.

Mit einem unterhaltsamen Video räumte Herr Emerdinger anschließend mit gängigen Vorurteilen und Unwahrheiten rund um das Thema Sucht auf. In einem offenen Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wurde das Gesehene vertieft und durch fundiertes Faktenwissen ergänzt. Besonders eindrücklich war die Erkenntnis, wie entscheidend das soziale Umfeld für den Konsum ist: Jeder Mensch braucht soziale Bindungen. Fehlen diese, besteht die Gefahr, sich ein „Ersatzobjekt“ zu suchen – beispielsweise in Form von Drogen.

Auch der Einfluss von Gruppendruck wurde in diesem Zusammenhang thematisiert. Herr Emerdinger sprach von einer möglichen „Ansteckung“ mit Sucht – etwa durch das klassische Partyphänomen, bei dem sich eine Abhängigkeit oft schleichend und unbewusst entwickelt. Deutlich wurde: Bei einer Sucht spielen viele verschiedene Faktoren zusammen. Gleichzeitig betonte er, dass Abhängigkeit eine Krankheit ist – eine Tatsache, die zwar medizinisch, gesellschaftlich allerdings noch immer nicht überall anerkannt wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Frage nach den Gründen für Drogenkonsum. Viele Menschen greifen zu Suchtmitteln, weil sie sich davon ein besseres Gefühl versprechen. Doch dieser vermeintliche Ausweg ist ein Irrglaube: Probleme werden nicht gelöst, sondern lediglich verdrängt und aufgeschoben.

Besonders anschaulich wurde der Workshop durch den sogenannten „Suchtsack“. Die Schülerinnen und Schüler durften verschiedene Gegenstände herausziehen, die jeweils für eine mögliche Sucht standen. Neben bekannten Suchtmitteln wie Zigaretten oder Alkohol wurde auch auf den oft unterschätzten Suchtfaktor von Schokolade, Kaffee oder Energydrinks aufmerksam gemacht. Herr Emerdinger erklärte die Wirkungsweisen der unterschiedlichen Stoffe schülernah und verständlich. Den Kontrollverlust beim Konsum verglich er mit einer Chipstüte, aus der man eigentlich nur „ein bisschen“ essen wollte – und die plötzlich leer ist.

Den emotionalen Höhepunkt bildete der ausführliche Bericht des ehemals Abhängigen. Offen schilderte er seinen Weg in die Abhängigkeit – beginnend, wie bei vielen Betroffenen, mit Cannabis als Einstiegsdroge. Es folgten Jahre des harten Kampfes zwischen Entzug und Rückfall, zahlreiche Klinikaufenthalte und lange Therapiezeiten. Heute ist er seit acht Jahren drogenfrei – ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass ein Ausstieg trotz aller Schwierigkeiten möglich ist.

Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich tief bewegt von den persönlichen Schilderungen und nutzten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen, die ehrlich und bereitwillig beantwortet wurden.

Zum Abschluss gab Herr Emerdinger den Jugendlichen noch eine klare Botschaft mit auf den Weg: Wenn man sich dennoch für den Konsum von Suchtmitteln entscheide, dann unter dem Motto „Safer Use“ – also niemals etwas einnehmen, dessen Herkunft oder Wirkung man nicht kennt. Im besten Fall jedoch beginne man gar nicht erst damit.

Ein Workshop, der nicht nur informierte, sondern nachhaltig zum Nachdenken anregte.