
Wolframs von Eschenbachs Versepos Willehalm zählt mit rund 90 bisher bekannten Handschriften und Fragmenten zu den am häufigsten überlieferten weltlichen Werken der mittelhochdeutschen Literatur. Eines dieser Handschriftenfragmente (Nr. 78) befindet sich in unserer Alten Bibliothek. Im Rahmen einer Gesamtedition aller Überlieferungen des Werks ist es nun von der Universität Heidelberg auch digital zugänglich gemacht worden. Im Straubinger Fragment geht es um die Belagerung der christlichen Stadt Oransche in Südfrankreich durch ein heidnisches Heer. Da die Burgherrin Gyburg kaum mehr lebende Ritter zu ihrer Verteidigung hat, verfällt sie auf eine List: Sie lässt die Toten in voller Rüstung an die Burgmauer lehnen, um so den Feind zu täuschen. Lakonisch bemerkt Wolfram von Eschenbach, dass diese „nicht aus Feigheit wankten.“ Später wird die belagerte Stadt aber trotzdem in Flammen aufgehen, weil Willehalm, Gyburgs Ehemann, mit seinem Entsatzheer zu spät anrückt. Straubing, Bibliothek des Johannes-Turmair-Gymnasiums, Cgs 2 Wolfram <von Eschenbach>: Wolfram von Eschenbach: ‚Willehalm‘ (Fragm. 78) (um 1300)
