Was ist das Wattenmeer? Wie sieht die Tierwelt an der Nordseeküste aus? Und woher kommen eigentlich die Wikinger? All diese Fragen wurden auf der diesjährigen Tönning-Fahrt des Johannes-Turmair Gymnasiums auf die anschaulichste Art und Weise beantwortet. Denn die 85 Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, die Nordseeküste und das Weltkulturerbe Wattenmeer mit all ihren Sinnen zu erkunden und kennenzulernen.

Trotz der langen Nachtfahrt und dem entstanden Schlafdefizit ließen sie es sich nicht nehmen, gleich zu Beginn aufs Schiff zu steigen und sich einen umfassenden ersten Eindruck ihrer Umgebung zu verschaffen. Dabei trafen sie gleich auf die ersten Wattbewohner: die Kegelrobben und Seehunde auf den Sandbänken. In der Seehundstation in Friedrichskoog konnte man diese Tiere aus nächster Nähe bestaunen und wer nicht aufpasste, wurde sogar nassgespritzt bei der Vorstellung der Dauerhaltungstiere. Aufmerksam sollte man grundsätzlich immer sein, wenn man sich an der Nordsee aufhält, denn die Möwen sind ein ständiger Begleiter. So kann es durchaus vorkommen, dass diese ihre Häufchen direkt über einer Schülergruppe machen oder sogar die Fischbrötchen von Lehrern hinterlistig aus der Hand schnappen.

Im Multimar Wattforum hatte die Turmair-Gruppe die Möglichkeit, sich interaktiv über das Wattenmeer zu informieren, die Fischwelt in einem riesigen Aquarium zu beobachten oder sich unter das nachgebaute Skelett eines Wals zu legen. Wer Glück hatte, konnte sogar die Otter in deren neugebauten Anlage entdecken. Das Highlight der Reise war jedoch die Wattwanderung bei Sonnenuntergang. Bei bestem Wetter trauten sich die Jugendlichen barfuß in das Schlickwatt hinein, suchten Wattwürmer und sammelten kleine Fische und Garnelen oder sogar den ein oder anderen Krebs. Diese Tiere durften sie dann am Folgetag im Wasserlabor untersuchen und erforschen. Wer glaubte, wieder sauber von der Wattführung zurückzukommen, der irrte. Denn beim Wettbewerb, wer sich am tiefsten mit den Beinen in das Schlick wackeln konnte, wollte jeder der Gewinner sein. Es wurde gezappelt und getanzt, gespritzt und gematscht.

Das Watt beeindruckte die Jugendliche also auf verschiedenste Art und Weise. Die Weite, der Wind, die Dünen, die vielen Windräder und die Unendlichkeit der See bilden einen starken Kontrast zur hügeligen Landschaft um Straubing. Für viele war es das erste Mal, so weit im Norden. Daher bleibt diese Erfahrung auch noch lange im Gedächtnis. Aber nicht nur die vielen Eindrücke machen die Tönning-Fahrt so besonders. Das Miteinander in der Jugendherberge, die Volleyball- und Fußballspiele, die gemeinsame Zeit beim Essen und im Bus, all das verbindet und macht diese Erfahrung so wertvoll.

Letztlich durfte aber auch ein wenig Geschichte nicht fehlen. Vor über tausend Jahren besiedelten nämlich die Wikinger große Teile dieser Gegend. Im Wikinger Dorf Haithabu wurde die Zeit wieder lebendig gemacht und die Jugendlichen konnten ihre Schiffe und Häuser im originalgetreuen Zustand besichtigen, mit Archäologen über ihre Wertschätze und Handelsgüter sprechen. Beeindruckt waren die meisten aber von den vielen Wikinger-Fans, die ihre Sommermonate in altertümlicher Kleidung in den Wikingerhäusern verbrachten und dort so lebten wie um 700.

Aber auch die Schülerinnen und Schüler des Johannes-Turmair Gymnasiums machten es den Wikingern gleich. Denn das Wort „Wikinger“ leitet sich wahrscheinlich vom Lateinischen „vicus“ ab, womit fahrende Männer gemeint sind, die auf Schiffen verschiedene Orte erkundeten und auf Beutezug waren. Auch wir fuhren mit Schiffen umher, um neue Orte zu entdecken und letztlich viele Eindrücke, Erfahrungen und viel Wissen als eine Art Beute wieder mit nach Hause mitzunehmen.

Carina Lettow, StRin