Wer in den vergangenen Wochen am Klassenzimmer der 9b vorbeikam, sah auf einmal grün. Der Grund: 30 Schülerinnen und Schüler hatten sich im Rahmen des Lateinunterrichts auf eine ganz besondere botanische Spurensuche begeben – unter dem passenden Titel „Latein liegt in der Luft“.

In einem mehrstündigen Projekt widmeten sich die Jugendlichen den botanischen Namen von Pflanzen, die schon in der Antike bekannt waren und bis heute unseren Alltag begleiten. Dafür reichte der Blick ins Tablet allerdings bei Weitem nicht aus: Die Klasse erkundete den reichhaltigen Schulgarten ebenso wie die eigene Pflanzenwelt zuhause – sei es im heimischen Garten oder bei der bislang eher stiefmütterlich behandelten Zimmerpflanze auf der Fensterbank. Von A wie der sagenumwobenen Alraune bis O wie Orchidee war alles vertreten.

Im Zentrum der Recherche stand die lateinische und griechische Herkunft der Pflanzennamen – und die spannende Frage, welcher Zusammenhang zwischen Name und Wirkung bzw. Verwendung der jeweiligen Pflanze besteht. Dabei erlebte so mancher Schüler eine kleine Überraschung: Das Lateinlexikon, bislang meist nur zum mühsamen Nachschlagen einzelner Übersetzungsvokabeln herangezogen, entpuppte sich plötzlich als echte Fundgrube voller Aha-Momente.

Ein Beispiel gefällig? Welche der zahlreichen Brennnesselarten – davon gibt es im Übrigen 85 Stück – brennt bei Berührung am stärksten? Natürlich die Urtica urens – wie schon ihr Name verrät, der sich vom lateinischen urere („brennen“) ableitet. Und wofür wurde Lavendel in der Antike vornehmlich genutzt? Richtig: als Badezusatz, was sich unmittelbar aus seiner Bezeichnung erschließt, die auf das lateinische lavare („waschen, baden“) zurückgeht.

Bei der abschließenden Präsentation ihrer Erkenntnisse ließen es sich die Schülerinnen und Schüler nicht nehmen, ihr Wissen auch ganz praxisnah zu vermitteln: Sie brachten die besprochenen Pflanzen kurzerhand als Anschauungsobjekte mit ins Klassenzimmer, wobei sogar der eigens dafür zur Schule transportierte Olivenbaum nicht fehlen durfte. So verwandelte sich der Unterrichtsraum für einen Nachmittag in ein kleines Duftlabor, durchzogen von den unterschiedlichsten – durchweg angenehmen – Gerüchen. Am Ende hatte also wirklich jeder im wahrsten Sinne des Wortes Latein in der Nase.

Ein rundum gelungenes Projekt, das eindrucksvoll zeigt: Latein ist alles andere als eine „tote“ Sprache – sie steckt buchstäblich in jeder Blüte, jedem Blatt und manchmal sogar im Badewasser.