In einer fünfstündigen Projektphase haben sich die Schüler der Klasse 8c intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt, mit dem sie täglich konfrontiert werden: der Inszenierung von Körpern und Schönheit in sozialen Netzwerken. Unter dem Titel „my social me(dia)“ ging es deshalb nicht nur um kritisches Hinterfragen solcher Posts, sondern auch um praktisches Verstehen.

Die Schüler sollten sowohl selbst mit Bildgeneratoren arbeiten wie auch gezielt nach bearbeiteten Bildern im Netz suchen Die zum Teil überraschende Erfahrung: Mit Hilfe von KI-gestützten Bildgeneratoren ließen sich in kürzester Zeit völlig neue Versionen ihrer selbst erschaffen. Ein ganz normaler Teenager wird so schnell zu einem muskulösen Mittzwanziger, der strahlend in die Kamera blickt. Schnell stellte man dabei fest, wie einfach es ist, sich selbst „zu optimieren“ und wie unrealistisch diese Ergebnisse gleichzeitig sind.

Genau dieses praktische Experimentieren war der Schlüssel zum Verständnis: Indem die Jugendlichen selbst mit den Werkzeugen arbeiteten, entwickelten sie gleichzeitig ein Auge dafür, woran man KI-generierte Bilder überhaupt erkennt. Sie lernten, typische Merkmale wie unnatürliche Hände, irritierende Zahnreihen oder seltsam verformte Hintergründe zu identifizieren und damit auch, solche Bilder in ihrem Feed kritischer zu bewerten.

Dass das Bedürfnis zur Selbstoptimierung nicht neu, nur eben digitaler ist, stellten die Schüler in einem historischen Rückblick fest. Denn bereits in der Antike waren korpulente Körper als Zeichen von Wohlstand gefragt, in der Renaissance galten mollige Formen als Idealbild, im Mittelalter dagegen waren es zierliche Figuren. Immer und überall gab es Maßstäbe für Schönheit, an denen Menschen sich orientierten – und oft scheiterten. Der entscheidende Unterschied jedoch zur heutigen Zeit: Während diese historischen Ideale immerhin noch von echten Menschen verkörpert wurden, prägt uns heute eine Schönheit, die es gar nicht gibt. Die künstlich erstellten Bilder sind nämlich nicht nur unerreichbar, sie sind schlichtweg unmöglich.

Aus dieser Einsicht ergab sich für die Projektteilnehmer eine wichtige Erkenntnis über die psychologischen Folgen. Denn der ständige Drang zur Selbstoptimierung führt gerade zu einem übersteigerten, kritischen Selbstbild, das auch in Depressionen, Magersucht oder unnötigen Schönheitsoperationen enden kann. Die Schüler reflektierten deshalb darüber, wie solche Bilder ihre eigene Körperwahrnehmung beeinflussen. Sie erkannten, dass es in diesem Zusammenhang wichtig ist, eine gesunde Distanz zu den dargestellten Persönlichkeiten aufzubauen und zu verstehen, dass hinter jedem Bild eine Geschichte steckt – eine Geschichte von Filtern, Bildbearbeitung und Inszenierung.

Abschließend haben die Schüler deshalb ihren eigenen Menschen „optimiert“, dem sie gerne in sozialen Netzwerken begegnen würden. Heraus kam ein Mensch mit viel Humor, Hilfsbereitschaft, dem nötigen Intellekt und einem großen Herzen und das ganz ohne Filter und KI.