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Schulbroschüre

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Termine

23/24.09.2020

Busschulung der 5. Klassen durch ein Team der Stadtwerke

15.09.2020

Wandertag (Jgst. 5)

Info-Veranstaltungen für Q11 und Q12

21.09.2020

Beginn des Wahlunterrichts

24.09.2020

Elternabend Jgst. 5

Elternabend Jgst. 6

07.10.2020

Wahl des Elternbeirates (19.00 Uhr; Dreifachturnhalle)

20.10.2020

Elternabend Jgst. 7 (geplant)

Elternabend Jgst. 8 (geplant)

28.10.2020

Elternsprechtag für die Klassen 5-7 (geplant)

02. – 08.11.2020

Herbstferien

18.11.2020

Buß- und Bettag: unterrichtsfrei

19.11.2020

Elternsprechtag für die Klassen 8 - 12 (geplant)

17.12.2020

Elternabend Jgst. 9 (geplant)
Elternabend Jgst. 10 (geplant)

Dezember 2020

Weihnachtskonzert (geplant)

22.12.2020

Vorweihnachtliche Gottesdienste

Unterrichtsende: 12.00 Uhr

 

Latein lernen – eine Welt entdecken

 

Schnupperabend LateinStofftiere auf dem Klavier und selbstgemalte Bilder auf den Notenständern: Dies war das Erste, was die über 100 Grundschulkinder erstaunt entdeckten, als sie am vergangenen Donnerstag in die neue Aula des Turmair-Gymnasiums strömten. Die Schüler der Chorklasse 5 sangen nämlich unter Leitung ihrer Musiklehrerin Susanne Schlögl zur Einstimmung „Der Kuckuck und der Esel“ – und zwar nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Lateinisch. Mit einem weiteren Lied, dem Kanon „Oculos aperite!“ („Öffnet die Augen!“), forderten sie ihre gespannten Zuhörer zum Entdecken neuer Dinge auf.
Genau dazu lud Schulleiterin Andrea Kammerer, die heuer selbst eine fünfte Klasse in Latein unterrichtet, die Viertklässler dann persönlich ein: Sie hatte die Schnupperstunde in ihrem Lieblingsfach zur Chefsache erklärt und nahm die Kinder mit auf eine Zeitreise ins Alte Rom. So konnten sie bereits nach 15 Minuten kurzen lateinischen Sätzen entnehmen, was im Kolosseum vor sich ging. Verblüfft entdeckten sie außerdem, dass sie sogar im Alltag lateinisch reden, wenn sie „Servus“ sagen. Eifrig schlossen sie von Fremdwörtern wie „Computer“ auf die Bedeutung des zu Grunde liegenden lateinischen Wortes (computare = rechnen).
Die Erwachsenen lauschten unterdessen dem Vortrag des renommierten Fachdidaktikers und Lehrbuchautors Clement Utz zum Thema „Latein lernen leicht gemacht – Plädoyer für ein gymnasiales Fach“. Zunächst schlug der Referent, der als ehemaliger Schulleiter über eine reiche Praxiserfahrung verfügt, den Eltern vor, einmal in die Rolle eines Fünftklässlers zu schlüpfen. Ein zehnjähriges Kind zeige sich für Latein als einzig wirklich neues Fach am Gymnasium extrem aufgeschlossen und interessiert: Was haben die Römer gegessen und getrunken? Hielt man im alten Rom tatsächlich Affen als Haustiere? Was hat das trojanische Pferd mit der römischen Wölfin zu tun? Regelrecht verblüfft seien Kinder über die alltägliche Präsenz des Lateinischen, das nicht nur in vertrauten Kosmetikprodukten wie „Dentagard“ und „Penaten-Creme“ steckt, sondern das auch Fußball-Reporter im Munde führen, wenn sie angesichts der „ineffizienten“ Spielweise mehr „Offensive“ fordern. Die Schüler erfahren dann in behutsamer Progression Latein als sprachliches, historisches, literarisches und philosophisches Fach. Das am Turmair eingesetzte Lehrbuch „Campus“ stelle hierfür die kindgerechte Verpackung dar, dank welcher Latein nicht schwerer, aber auch nicht leichter sei als andere Fächer, sondern „einfach anders“: Latein schaffe wertvolle „Grundlagen für alles Mögliche“, nicht nur für den Erwerb weiterer Fremdsprachen, sondern etwa auch für die Methodik des Lernens an sich. Zudem biete Latein entscheidende Chancen über das Fach hinaus: Eine Studie habe vor wenigen Jahren gezeigt, dass Altsprachler schwierige Texte aus sämtlichen Bereichen – ob Literatur, Medizin oder Rechtswissenschaft – deutlich schneller verstehen als Vergleichspersonen ohne Latinum. Latein lehre problemlösendes und kombinatorisches Denken, wie dies gerade in der modernen Informationstechnologie gefragt sei: Denn die „Denkoperationen bei der Analyse und Übersetzung lateinischer Sätze sind die gleichen wie beim Erstellen komplexer Computerprogramme“. Latein ist logisch und verlässlich, da die Grammatik einem klaren Baukastensystem folgt, was gerade jüngeren Schülern mit ihrem Sicherheitsbedürfnis bezüglich „richtig und falsch“ entgegenkomme. Dass sich Latein als nicht mehr gesprochene Sprache auch nicht mehr weiterentwickelt, stelle lerntechnisch ebenfalls einen Vorteil dar: Mit einer Basis von nur 1250 Vokabeln könne man nahezu 85 Prozent der wichtigsten lateinischen Texte verstehen. Der heutige Lateinschüler lernt also dank statistischer Untersuchungen nur noch genau die Wörter, die er braucht – eine radikale Begrenzung im Vergleich zum früheren Vokabelpauken.
All diese Vorzüge gelten nun, so Utz, ebenso für das am Turmair-Gymnasium alternativ angebotene Latein als zweite Fremdsprache. Dennoch plädierte der Referent – „wenn schon, denn schon“ – für Anfangslatein: Man habe mehr Zeit und Ruhe für die Spracherwerbsphase. Das einzig neue und daher für Kinder sehr spannende Fach Latein entwickle sich häufig zum Lieblingsfach, welches später gerne für die Abiturprüfung gewählt werde. Vor allem aber könne man gleich ab der 5. Klasse einen noch größeren Gewinn für das gymnasiale Arbeiten an sich und für diverse andere Fächer daraus ziehen: Ob im Deutschunterricht der „Kausalsatz“ gefragt ist, in Mathe die „Addition“ oder in Musik die Unterscheidung zwischen „Dur“ und „Moll“ – der Lateiner weiß Bescheid. Diese Vorzüge des Anfangslateins konnte aufgrund ihrer aktuellen Praxiserfahrungen auch JTG-Lehrerin Doris Kölnberger bestätigen, die selbst sowohl Latein als auch Englisch in der Unterstufe unterrichtet.
Fachbetreuer Albert Jungtäubl bedankte sich bei Clement Utz, durch dessen Engagement der Latein-Abend am Turmair mittlerweile bereits zum sechsten Mal in Folge stattfinden konnte. Im Anschluss nutzten viele Eltern die Gelegenheit, sich mit inhaltlichen und vor allem lernpraktischen Fragen an den Referenten zu wenden, bevor sie ihre Kinder wieder in Empfang nahmen. Diese hatten nicht nur in ihrer ersten Lateinstunde eine neue Welt, sondern beim Percussion-Projekt mit Musiklehrer Thomas Knapek auch interessante Instrumente entdeckt: Unter Begleitung von Keyboard und Boomwhackers sangen sie – nun selbst auf Lateinisch! – über einen besonders regsamen Regenwurm. So wurde der Latein-Abend für die jungen Entdecker wahrlich zu einem tierischen Vergnügen.

Birgit Mania